EHX Holy Stain

– Review – Stand 08.09.2025
Einleitung
Das Ende der 2000er und der Beginn der 2010er markierten einen Wendepunkt im Indie-Rock: Das Genre verabschiedete sich vom lauten, wilden Sound mit Anleihen aus 70er-Rock und 80er-Post-Punk und bewegte sich in Richtung sanfterer Dream-Pop/Rock-Klänge. Nur wenige dieser neuen Bands fand ich persönlich spannend – aber Wild Beasts aus UK überzeugten mich sofort. Besonders ihr Hall-Sound faszinierte mich, und genau so etwas wollte ich auch für meine Gitarre haben.
Mit etwas Weihnachtsgeld stöberte ich im Musikkatalog – und das EHX Holy Stain schien als kompaktes Multi-Effekt die passende Wahl.
Hardware
Das Pedal kommt im typischen großen EHX-Gehäuse: Audio-In und -Out, ein Eingang für ein Expression-Pedal, zwei Fußschalter, eine Status-LED sowie vier kleine LEDs zur Effektanzeige. Dazu sechs fest verbaute Drehregler. Die Stromversorgung läuft über 9 Volt (Netzteil war damals sogar beigelegt).
Aufbau
Der Holy Stain kombiniert eine zuschaltbare Verzerrung mit vier digitalen Effekten.
Die Regler
- Mode: Clean (Bypass), Fuzz oder Drive.
- Color: drei Grundcharaktere – Bright, Dark, Warm.
- Tone: Feinanpassung des Zerrsounds.
- Volume: Lautstärke der Zerrsektion.
- Amount: Effekt-Parameter (Reverb: Hallzeit, Pitch-Shifter: Tonhöhe, Tremolo: Speed).
- Mix: Verhältnis zwischen Effektsignal und Clean-Signal.
Verzerrer
Mit der Kombination aus Mode, Color und Tone lassen sich durchaus brauchbare Sounds finden – vom kratzigen Fuzz bis zu druckvollem Drive. Ein klassischer Gain-Regler fehlt allerdings, wodurch die Intensität der Verzerrung nicht fein genug dosierbar ist. Leichte Overdrive-Sounds sind praktisch nicht möglich.
Effekte
Reverb
Hier glänzt das Pedal. Sowohl Room- als auch Hall-Reverb klingen warm, natürlich und passen besonders gut zu Cleansounds. Vom kleinen Raum bis zum langen Kirchenhall ist viel drin – ein echter Pluspunkt.
Pitch-Shifter
Leider nicht so überzeugend: leichte Latenz, eingeschränkter Tonumfang (+4/-5 Halbtöne). Am sinnvollsten ist er als subtiler Chorus-Effekt einsetzbar, wenn die Tonhöhe nur minimal verändert wird.
Tremolo
Absolut brauchbar, auch wenn ich persönlich diesen Effekt selten nutze.
Kritikpunkte
Ein großes Manko: Die beiden Effektblöcke lassen sich nicht separat schalten. Der rechte Fußschalter aktiviert/deaktiviert das ganze Pedal, mit dem linken wählt man nur den Effektmodus. Mehr Flexibilität wäre hier wünschenswert gewesen.
Fazit
Vielleicht verklärt die Nostalgie ein wenig – schließlich reicht meine Nutzung bis 2010 zurück –, aber die Hall-Sounds des EHX Holy Stain gehören für mich bis heute zu den schönsten Reverbs in einem Multi-Effekt-Pedal. Trotz seiner Größe hat es deshalb nach wie vor einen festen Platz auf meinem Pedalboard.